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“Ridi Pagliaccio” am Lago Maggiore

Ein Museum für Ruggero Leoncavallo in Brissago

Gustav A. Lang

Seit fünfzehn Jahren gibt es in Brissago am Lago Maggiore das bis zum Sommer 2010 einzige Museum, das ganz dem wohl prominentesten Komponisten des Tessins gewidmet ist, dessen 150.Geburtstag im Jahr 2007 gedacht wurde: Der Neapolitaner Ruggero Leoncavallo (23.4.1857-9.8.1919) ein Tessiner? Natürlich nicht, was seine Staatsangehörigkeit, seine Musikalität betrifft. Aber das Tessin wurde ihm zur Herzensangelegenheit, und im Tessin liegt, nach einem Umweg über Florenz, denn auch seine Grabstätte. Wie es dazu kam? Nun: Die Südschweiz war – und ist es zum Teil noch heute – vielen Künstlern, unter ihnen nicht wenigen Deutschen, ein willkommenes Refugium, wo sie unter klimatisch angenehmen Bedingungen Distanz halten konnten zu den Erwartungen, den Verpflichtungen, auch zu den Verstrickungen in ihren Heimatländern. Und so hat Leoncavallo, seit 1888 in Mailand wohnhaft, seinerseits das Tessin „entdeckt“, als er in den frühen Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts zusammen mit Giacomo Puccini, seinem späteren beruflichen „Rivalen“, in Vacallo beim Grenzort Chiasso über die mit Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ 1890 einem Paukenschlag gleich auf die Theaterbühne getretene veristische Oper debattierte und dabei an seinem Meisterwerk, dem „Bajazzo“, den hinreissenden „Pagliacci“, feilte. Das Bedeutende am so genannten Verismus, des italienischen musikalischen Realismus und Naturalismus, war wohl, Musiktheater „nach“ Grossmeister Giuseppe Verdi überhaupt noch möglich gemacht zu haben.


Die „Pagliacci“ – ein Meisterwerk

Mit den genialischen „Pagliacci“, 1892 unter der Stabführung des jungen Arturo Toscanini im Teatro Dal Verme in Mailand uraufgeführt, wird Leoncavallo über Nacht weltberühmt – und endlich auch einigermassen vermögend. Er fährt nun öfters zum „Auslüften“ an die oberitalienischen Seen, insbesondere an den Langensee. Ein Kuraufenthalt in Cannero Riviera auf der piemontesischen Seite des Lago Magggiore macht ihn bereits 1893 aufmerksam auf das damals malerisch verträumte, geschichtlich jedoch bedeutsame Tessiner Dorf Brissago just hinter der italienisch-schweizerischen Grenze, unweit von Ascona und Locarno. Und so kehrt er immer wieder nach Brissago zurück, logiert in dortigen Alberghi, bewohnt ab 1896 am See ein Haus, entscheidet sich schliesslich um 1902 herum zur definitiven Wohnsitznahme und lässt sich über dem See 1903 die üppige, viele Stile vermischende Villa Myriam bauen. Hier hält er grosszügig „Hof“ und empfängt, zusammen mit seiner französischen Gattin Berthe, zahlreiche Berühmtheiten des frühen 20. Jahrhunderts, unter ihnen auch den Tenor Enrico Caruso, den Dirigenten Toscanini und seinen Verleger Sonzogno, ebenso die Schauspielerin Eleonora Duse. In Locarno inszeniert er im neu erbauten Teatro 1904 persönlich eine Aufführung der „Pagliacci“. Schnell hat sich Leoncavallo ins Locarnese eingelebt, pflegt geselligen Umgang mit den Brissaghesen, mit kunstsinnigen Tessinern. Er ist beliebt, und die Leute hier sind stolz auf den berühmten Gast. Er bemüht sich im Angesicht der florierenden „Belle époque“ auch um touristischen Aufschwung und gehört zu den Initianten für den Bau des 1907 schräg unterhalb seiner Villa fertig erstellten Grand-Hôtels. Deshalb wird ihm bereits am 18. Dezember 1904, als er von der viel beachteten Uraufführung des „Rolands von Berlin“, der Auftragsoper Kaiser Wilhelms II., aus der damaligen deutschen Reichshauptstadt zurückkehrt, in einer feierlichen, von der wackeren Dorfmusik akustisch geprägten Zeremonie und unter Anteilnahme ganz Brissagos mit wohlgesetzten Worten des Gemeindepräsidenten, Sindaco Roberto Chiappini, das Ehrenbürgerrecht (das bisher einzige der Seegemeinde) verliehen: „Zum Applaus, zur Anerkennung und den Ovationen anderer Völker empfangen Sie auch die Ehrerbietung eines republikanischen Volks, welches das Genie der Künste zu schätzen weiss!“ Und Leoncavallo bedankt sich sichtlich gerührt für die Ehre: „Ich liebe dieses Dorf, das Zeuge ist meiner Träume und meiner Kämpfe, und ich bewundere dieses freie und starke republikanische Volk... Ich werde es lieben, bis ich zum ewigen Schlaf in Eurem bescheidenen Friedhof gerufen werde!“ Es ist dieser letzte Satz, der Jahrzehnte später die sterblichen Überreste des Tondichters nach Brissago zurückgeführt hat.

Fruchtbare Jahre am Lago Maggiore
Seine in Brissago zugebrachten ein Dutzend bis zwanzig Jahre – unterbrochen durch zwei mehrwöchige musikalische Tourneen durch die USA 1906 und 1913 – sind wohl, abgesehen vom riesigen Erfolg der „Pagliacci“ (erste Gesamtaufnahme einer Oper auf Schallplatte im Jahr 1907, jetzt auf CD), die glücklichsten seines ganzen Lebens. Hier fühlt er sich wohl, angespornt zu weiterem schöpferischen Schaffen, das ihm ja von der Musikwelt, die ihn stets am „Bajazzo“ misst, nicht leicht gemacht wird. Hier beendet er, der – im Unterschied zu Puccini und den andern Veristen – als feinfühliger Literat die Libretti seiner dramatischen Werke mit wenigen Ausnahmen selber schreibt, den „Rolando“, bearbeitet seine „Bohème“, um sie von Puccinis Erfolgsoper besser abzuheben, als „Mimì Pinson“, komponiert die „Zingari“ nach Puschkin, beginnt sich mit dem patriotischen „Mameli“ und dem „Edipo Re“ nach Sophokles auseinander zu setzen und schafft nach dem Libretto des ihm befreundeten Locarneser Dichters Angelo Nessi seine „Majà“, von Mascagni 1910 im Teatro Costanzi in Rom uraufgeführt. Dazu, nebst seinen über fünfzig, jetzt erstmals (fast) integral auf CD festgehaltenen melodiösen Arie da camera mit der unverwüstlichen, in zahlreichen Adaptionen wohlbekannten, auf eigener Dichtung beruhenden „Mattinata“, der Caruso zu Ruhm verhilft, aber ebenso dem wunderschönen Wiegenlied „Ninna Nanna“, eine Reihe von Operetten im – es ist auch die „silberne“ Zeit Franz Lehárs und der Wiener leichten Muse – „italienischen Stil“. Unter ihnen, in Brissago komponiert, „Malbruk“ (erneut zusammen mit Nessi) sowie „La Reginetta delle rose“ und „Are you there?“. Die beiden letzten dieser Operetten-Reihe, entstanden in Montecatini Terme, gelangen, wie der „Edipo Re“, erst nach Leoncavallos Tod auf die Bühne; „Prestami tua moglie“ (1916) findet im Oktober 2007 in Zürich eine erfreuliche Wiedergeburt!
So wie seine melodienstarke, oft eng mit der Stimmung in Brissago verknüpfte perlende Klaviermusik – etwa Gondola, Tarantella, Au bord du lac, Papillon, Gavotte, Notturno, Romanesca – von verständnislosen Puristen der, immerhin, gehobenen „Salonmusik“ zugeordnet wird, so sieht sich Leoncavallo konfrontiert mit dem Vorwurf, in die „Niederungen“ der Operette hinabgestiegen zu sein. Das tut er tatsächlich auch aus pekuniären Gründen, kann er doch schlecht mit seinen unregelmässigen Einkünften umgehen, jedoch ebenso aus seinem Naturell heraus, das nicht allein der Dramatik, sondern ebenso dem prallen Lebensgenuss zugeneigt ist. Mit seinem „Pierrot au cinema“ bekundet er übrigens ein frühes Interesse für die Kombination von Musik und Film. Es ist, nebst finanziellen Zwängen, seine angeschlagene Gesundheit sowie die Turbulenz des Kriegsausbruchs mitsamt Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg 1915, die Leoncavallo veranlassen, in den toskanischen Kurort Montecatini Terme umzuziehen und 1916 die Brissagheser Villa Myriam, höchst ungern zwar, zu veräusssern. Wohl bleibt er auch in Montecatini schöpferisch tätig, aber seine Gesundheit findet er nicht wieder: Er stirbt am 9. August 1919, nach Kriegsende, an Nierenversagen; an der Totenfeier in Montecatini nehmen, nebst einer grossen Menschenmenge, Puccini und mehrere weitere Veristen teil. Beigesetzt wird er im Grab seiner Schwiegermutter auf dem Cimitero delle Terre Sante zu Florenz. Es ist allerdings nicht der Ort seiner letzten Ruhe...

Leoncavallos Nachleben in Brissago
Natürlich bleibt die Erinnerung an Leoncavallo am Alto Verbano, dem oberen Langensee, wach. Der musikalisch begabte Emilio Ambrogio Bressani-Pedroli, Ingenieur und Hauptmann der italienischen Armee, in Brissago aufgewachsen, dort eingebürgert und mit Leoncavallo bekannt, lässt sich vom Meister inspirieren zu seinen zierlichen Operetten „Lisetta“ (1922) und „Passano i Boemi“ (1925), die er – man staunt heute – auf eigene Kosten im kleinen Ort am See zur Aufführung bringt. Und die hiesige Filarmonica Brissaghese weiss um die ihr durch Leoncavallo zugewachsene besondere Verantwortung... Allein: Bald melden sich wirtschaftliche und politische Krisenjahre, Konfrontation mit Europas Diktaturen und schliesslich Zweiter Weltkrieg. Doch Leoncavallos 100. Geburtsjahr geht, nachdem der Krieg die Schweiz weitestgehend verschont hat, nicht vergessen: Im Einklang mit der Republik Italien, die eine Gedenkpostmarke drucken lässt, wird in Brissago des Tondichters bei Musik, Speis und Trank gedacht – 1958. Ein Jahr zu spät, wie man seither weiss und die Geburtsurkunde aus Neapel zweifelsfrei klärt. Zum Irrtum hat allerdings der Maestro selber beigetragen, wollte er doch gleich jung sein wie der 1858 in Lucca geborene „Rivale“ Puccini.
Und als die bisher „namenlosen“ Strassen Brissagos benannt werden, wird die Hauptstrasse durch den Ort, die Via Centrale, 1987 in aller Form Via R. Leoncavallo benannt, und das Orchestra Radiotelevisione della Svizzera italiana, das heutige Orchestra della Svizzera italiana (OSI), gibt ein Konzert zur „Hommage a Leoncavallo“. Was nichts daran zu ändern vermag, dass nach dem „Caffè Rolando“ 1978 auch die Villa Myriam der Spitzhacke und einem Appartementhaus zum Opfer gefallen ist: Die Gemeinde, durch den Ankauf im Jahr 1970 des patrizialen Palazzo Branca-Baccalà, eines fürwahr barocken Bijous, noch immer strapaziert, konnte es nicht verhindern – und Private taten es leider auch nicht. Nur die Statue des ritterlichen Roland, das Geschenk des letzten Hohenzollern-Kaisers und eventuell das Modell für den Berliner Roland von 1902 auf dem Brunnen des Berliner Kemperplatzes, im Krieg beschädigt und von der DDR beseitigt, bleibt noch bis November 2004 in den „Giardini Leoncavallo“ hartnäckig, stramm und stumm stehen. Dem Grand-Hôtel, dem Leoncavallo zu Gevatter stand, geht es übrigens nicht besser als der Villa: Nach wechselvollem Schicksal wird es 1993 abgerissen und in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts durch einen ebenso wuchtigen modernistischen – architektonisch umstrittenen – weissen Block mit Seeblick-Eigentumswohnungen ersetzt, die nunmehrige Casa Blanca.

Des Meisters Rückkehr nach Brissago
Doch Ruggero Leoncavallo erhält schliesslich wertvollste Schützenhilfe durch einen Musikologen und eine Freifrau. Der Locarneser Musikwissenschafter und Dirigent Graziano Mandozzi, wohl bester Kenner der Musik Leoncavallos, trägt im Lauf der Jahre eine umfangreiche Sammlung zum Thema zusammen, insbesondere aus den Nachlassbeständen der Brüder Trovatelli in Florenz, und hebt einige Werke des Komponisten aus der Versenkung wie etwa „I Medici“, die er 1993 in Frankfurt am Main konzertant zur Aufführung bringt – jene Oper, die Wilhelm II. beeindruckt und zum Auftrag an Leoncavallo für den „Rolando“ bewegt hatte. Und die kühne sinfonische Dichtung „Séraphitus-Séraphita“, die er 1994 in Ballettform auf toskanischen Bühnen, zusammen mit den „Pagliacci“, erklingen lässt. Später tritt er grosse Teile dieser Kostbarkeiten an den Kanton Tessin ab, der in der Biblioteca Cantonale zu Locarno den „Fondo Leoncavallo“ einrichtet – die nunmehr bedeutendste musikwissenschaftliche Anlaufstelle für das Erbe des Komponisten aus Neapel. Im übrigen erreicht Mandozzi, dass die sterblichen Überrreste Leoncavallos, wie es dessen Wunsch von 1904 entspricht, 1989 auf recht abenteuerliche Weise – diplomatisch nicht unbedenklich – von Florenz nach Brissago gelangen, wo sie dann fünf Jahre später, nach einigem Werweissen über den würdigen Standort, im Portikus aus dem 17. Jahrhundert der schönen Renaissancekirche Madonna di Ponte direkt über dem See, zusammen mit Berthe, ihre definitive Ruhe finden. Das ist denn auch die Initialzündung für das seit 1996 alljährliche Musikfestival „Ruggero Leoncavallo“, zuerst unter Mandozzis, später unter Ottavio Palmieris Regie, eines einheimischen Tenors; im Mai 2007 findet im Rahmen des Feierjahrs, in dem auch eine konzertante Freilicht-Aufführung der „Pagliacci“ vor dem Museum angesetzt ist, die zwölfte Auflage statt; im Mai/Juni 2010 zählt man bereits deren fünfzehnte.

Die Baronessa und ihr Museum
Ein weiterer Teil der Hinterlassenschaft Leoncavallos, darunter auch etliches aus dessen Privathaushalt, geht in den Besitz der bereits seit etlichen Jahren in Brissago ansässigen, vor allem junge Musiker fördernden „Baronessa“ Hildegarde Freifrau von Münchhausen über. Damit ist auch die Idee eines Museums geboren: Gemeinsam mit der politischen Gemeinde Brissago wird sie, nach der Begründung der „Fondazione Ruggero Leoncavallo“ Ende 1999/Anfang 2000 und dem Vertrag zwischen Municipio und Fondazione vom 3. Mai 2001, am 13. April 2002 realisiert. Der Comune stellt die frisch renovierten Räumlichkeiten im Palazzo Branca-Baccalà sowie deren Betreuung zur Verfügung; der Stiftungsrat, die Fondazione, beteiligt sich an den Erneuerungsarbeiten und besorgt das „Intérieur“ mitsamt Leoncavallos Hammerflügel, ein „Erard Paris“ aus dem Jahr 1841. Bei dieser Arbeitsteilung ist es bis heute geblieben.
Wer das kleine, jedoch schmucke Museo Leoncavallo im Ortskern Brissagos besucht, soll realisieren, dass Leoncavallo nicht allein der Schöpfer der „Pagliacci“, der „Mattinata“ (von der zwei Versionen bestehen) und eines „Ave Maria“ ist, sondern ein umfassendes kompositorisches Werk von grossem Wert hinterlassen hat. Dass von seinem langjährigen Aufenthalt in Paris geprägte Opern wie sein Frühwerk „Chatterton“, die im Vergleich mit Puccini zumindest „realistischere“ Fassung der „Bohème“ (in Überarbeitung „Mimi Pinson“) oder seine von Toscanini im Mailänder Teatro Lirico im Jahr 1900 uraufgeführte „Zazà“ – nebst „La nuit de mai“, einer frühen sinfonischen Dichtung von tiefem Gehalt – es verdienten, auf die Bühnen zurückzukehren, lässt sich anhand der in den vergangenen Jahren geschaffenen CD-Studioaufnahmen (die neue Doppel-CD der Kammerarien von der Fondazione finanziert) auch von Liebhabern des lyrischen Theaters überprüfen. Eine Trouvaille neuerdings ebenso Leoncavallos „Messa da Requiem“, vom ungarischen Musikologen József Acs rekonstruiert, im August 2009 in Brissago „uraufgeführt“, auf CD aufgenommen anlässlich der Zweitaufführung im November 2009 in Budapest. Es verhält sich eben bei Leoncavallo wie bei etlichen anderen Veristen, die seltsamerweise allein mit einem einzigen Werk präsent geblieben sind: Wer hinter die Konventionen einer sterilen Musikkritik vordringt, stösst unfehlbar auf nicht wenige verborgene Perlen! Dazu soll das Brissagheser Museo Leoncavallo Anstoss geben.
Im 150. Geburtsjahr Ruggero Leoncavallos
Zu den Aufgaben der Fondazione gehört natürlich der kontinuierliche Einsatz für Leoncavallo und dessen Musik: So erinnert sie im November 2004 mit einer musikalischen Feier an die hundertjährige Ehrenbürgerschaft Leoncavallos, wobei der hinterher noch gründlich gesäuberte Roland, ein Unikum in der Schweiz, ebenfalls hundert Jahre nach der Erstaufführung der gleichnamigen Oper in Berlin, seinen neuen Standort vor dem Museum zugewiesen erhält. Daselbst hat nun auch die beim Abbruch der Villa Myriam in Stücke geschlagene und glücklicherweise wieder zusammengefügte Statue der Tänzerin Zazà im Sommer 2007 eine bleibende Staat gefunden. Die Fondazione unterstützt ebenso die Publikation einer zweiten Biografie des Maestro (eine erste datiert von 1985), die im Oktober 2005 in Brissago ihre Vernissage erlebt und nun in 2. Auflage vorliegt. Deren Autor, Konrad (Claude) Dryden, erinnert daran, dass es gerade der spätromantische „Rolando“ wäre, der in Berlin wieder auf Interesse stossen müsste. Dass „I Medici“, die Graziano Mandozzi vom Libretto her für aussergewöhnlich hält, im Juli 2007 in Torre del Lago Puccini bei Viareggio zum Gedenken Leoncavallos erneut aufgeführt werden und nun auch Düsseldorf für diese Oper Interesse bekundet, ist höchst erfreulich. Zwei führende öffentlichrechtliche deutsche Radiosender gedenken im April 2007, nach einem informativen Besuch in Brissago und in Locarno, in ausgedehnten Sendungen des Geburtstags des Komponisten und dokumentieren damit, dass Leoncavallo insbesondere in Deutschland noch immer geschätzt wird. Im Oktober schliesslich präsentiert, wie bereits erwähnt, „Die Oper im Knopfloch“ im Zürcher Theater Stok die entzückende Operette „Prestami tua moglie“ in kammermusikalischer Form mit Erfolg – erstmals in der Schweiz eine opera buffa Leoncavallos! Das Opernhaus Zürich nimmt die siamesischen Zwillinge „Cavalleria rusticana“/“Pagliacci“ im Juni 2009 in einer Neuinszenierung wieder in sein Programm auf (eine DVD ist greifbar), mit Reprisen im Frühjahr 2011.
Und natürlich ist die Fondazione im Jahr 2007, dem 150. Geburtsjahr Leoncavallos, an der Organisation diverser musikalischer Veranstaltungen und Festivitäten intensiv beteiligt, in deren Verlauf im Mai und im August auch die Gemeindepartnerschaft zwischen Brissago und Montalto Uffugo in Kalabrien, dem Handlungsort der „Pagliacci“, wo Leoncavallo ein paar Jahre seiner Jugendzeit verbracht und eine Mordtat miterlebt hat, in beiden Orten besiegelt wird. In konzertanter Form erklingt dieses geniale dramatische Meisterwerk – seit 1907 viele Male auf Schallplatte, auf CD und ebenso auf Video/DVD zu hören (preisgekrönt die Film-Adaption Franco Zeffirellis 1983/84; 1985 kommt die „Cavalleria“ dazu) – Ende Juli 2007 erstmals in Brissago auf der Piazzetta vor dem Palazzo Branca-Baccalà.
Dank dem 2013 gegründeten Förderverein haben seither fünf namhafte Pianisten beziehungsweise Pianistinnen in Klavierrezitalen den originalen Erard-Hammerflügel des Maestro aus dem Jahr 1841 im Museum bespielt.
Im August 2010 hat nun auch Montalto Uffugo, das wie Brissago jährlich ein Festival lyrischer Musik durchführt, sein eigenes Leoncavallo-Museum eröffnet – das zweite also weltweit.
Zur weiteren Information siehe Internet: www.leoncavallo.ch (Fondazione); www.sbt.ti.ch/leoncavallo (Fondo); www.maggiore.ch (Ente Turistico); cancelleria@brissago.ch (Gemeinde); www.codexflores.ch; dazu: Daniele Rubboli: Ridi Pagliaccio, Ruggero Leoncavallo: un musicista raccontato per la prima volta, Lucca 1985 (italienisch); Konrad (Claude) Dryden: Leoncavallo, Life and works, Bamberg 2005, 2. Auflage 2007 (englisch); Gustav A. Lang: „Ridi Pagliacci“ am Lago Maggiore. Ein Museum für Ruggero Leoncavallo in Brissago; in: ZIBALDONE, Zeitschrift für italienische Kultur der Gegenwart, hg. von Thomas Bremer u. Titus Heydenreich, No. 43, Stauffenburg-Verlag Tübingen, Frühjahr 2007 (deutsch). Der vorliegende Beitrag wurde ursprünglich für ZIBALDONE verfasst. Zur Freifrau von Münchhausen vgl. Zeitschrift “emoTIon”, Top Ticino, 2/2006.

Brissago, aufdatiert Mai 2015.